Schicksal des tibetischen Schriftstellers

Ven Rinchen Sangpo Geshe



Ursprünglich war der 1974 geborene Rinchen Sangpo Mönch im Kloster Tsernga und als Autor von Prosa, Lyrik und Essays in Tibet bekannt. Seit dem Jahr 2000 studierte er im Kloster Drepung in Lhasa buddhistische Philosophie. Dort führte er ein Tagebuch, das aus seiner Zelle gestohlen wurde. Im Juli 2006 wurde er von chinesischen Polizisten verhaftet. Sie brachten ihn mit verbundenen Augen an einen unbekannten Ort.

Es war ein unterirdischer Kerker, in dem er einen Monate festgehalten, gefoltert und verhört wurde. Sie befragten ihn zu seinen Schriften, zeigten ihm das aus seiner Zelle gestohlene Tagebuch, verbrannten seine Manuskripte vor seinen Augen und befahlen ihm, nicht mehr zu schreiben.

Anfang 2007 wurde er wieder verhaftet. Auf der Polizeistation von Barkham, banden sie ihm Arme und Beine zusammen und hängten ihn bis zum folgenden Morgen auf. Danach wurde er in die Polizeistation des Bezirks Gyalrang transportiert und weiter verhört und gefoltert. Unter dem Vorwand, er müsse auf die Folter hin nun medizinisch versorgt werden, verabreichten sie ihm mehrere Spritzen. Seither leidet er unter Schmerzen in den Beinen und kann manchmal tagelang nicht gehen.

Nach seiner Entlassung verbrachte er über einen Monat in einem Krankenhaus, wo sich sein Zustand so weit besserte, dass er fliehen und untertauchen konnte.

Mittlerweile hat er die verbrannten Manuskripte und das von den Chinesen gestohlene Tagebuch rekonstruiert und aus Tibet herausschmuggeln lassen. Jetzt liegen sie beim tibetischen Exil-PEN in Dharamsala. Rinchen Sangpo betrachtet es als seine Aufgabe, die Erinnerung an die Geschichte Tibets wach zu halten und an die nachfolgende Generation weiterzugeben.

Rinchen Sangpo ist Ehrenmitglied des deutschen PEN

Quelle: Tibetan Writers Abroad PEN-Centre Januar 2008


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