Geheimnisvolles Tibet - geschundenes Land!

Wolfgang Windhausen

Unser Zug fuhr gegen Mitternacht von Xining der Hauptstadt der Chinesischen Provinz Qinghai in Nordwestchina ab. Dieser Zug, die Quinghai-Tibetbahn, führt über Golmud nach Lhasa. Alle Waggons werden mit Sauerstoff versorgt, weil dieser Zug im Kunlun-Shan Gebirge am Tanggula Pass in Tibet, eine Höhe von 5.072 Meter überschreitet. Ein Spezialabteil mit Medizinischer Einrichtung steht für Ersthelfer Maßnahmen zur Verfügung. Jeder Zug besteht aus zwei 1. Klasse Schlafwagen, acht 2. Klasse Schlafwagen und vier normalen Waggons mit Sitzmöglichkeiten und einem Restaurantwaggon. Die Geschwindigkeit auf der 1.972 km langen Strecke liegt bei ca. 110km/h.

Foto

In der Wartehalle des Bahnhofes befanden sich, außer einigen Touristen, sehr viele Tibeter die wieder nach Hause fahren wollten. In ihren Farbenfrohen Trachten gaben Sie ein stimmungsvolles und fröhliches Bild ab, trotz Ihres schweren Schicksals. Diese Gelassenheit zog uns auch später in Lhasa in den Bann. Viele Chinesen nutzen natürlich auch den Zug um in Lhasa ihr Glück zu versuchen. Einerseits um die Bevölkerungszahl der Chinesen in Tibet zu steigern, andererseits natürlich um dort Geschäfte auf Kosten der Tibeter zu machen. Das führt unter anderem auch dazu, dass die Tibeter in ihrem eigenen Land zu einer Minderheit werden.

Foto

Nachdem wir es uns in unserem Abteil bequem gemacht hatten, wurden auch wieder die Begrüßungsblumen von der Schaffnerin abgeräumt. Diese zierten dann am nächsten Morgen die Restauranttische. Zum Chinesischen Frühstück begaben wir uns in den Restaurantwagen und waren tief beeindruckt von dieser Höhenlandschaft mit ihrem unnatürlich blauen Himmel. Gelegentlich konnten wir Herden wilder Esel, Gazellen und Yaks sehen, eine der Hauptnahrungsquellen der Tibeter, die in dieser kargen Landschaft noch leben können. Am frühen Vormittag erreichten wir Golmud, unser erster und einziger Halt. Beim Verlassen des Zuges merkten wir körperlich schon die Höhe. Die Stecke von Golmud nach Lhasa führt über knapp zweitausend Brücken, Tunnel und Viadukte, eine Zahl die beeindruckt und uns die Dimension dieser Strecke erneut vor Augen führt. Die Volksrepublik China investierte mehr als 33 Milliarden Euro in dieses Prestigeobjekt, das nach Aussagen von Fachleuten keinen erkennbaren wirtschaftlichen Wert hat. Die Chinesen nutzen die Eisenbahn um das Militär nach Tibet zu bekommen. Das funktioniert auf dem Schienenweg besser und schneller als auf der Strasse.

Foto

Zur Sicherung der Bahntrasse wurden Zehntausende von Kühlstäben entlang der Strecke eingebaut, die, analog der Ölpipeline-Kühlung in Alaska, den Boden mit einem Kühlmittel vor Temperaturschwankungen bzw. Erwärmung durch den Zug und die Globale Erderwärmung schützen. Als eine weitere Schutzmaßnahme wurden quadratische Flächen mit einer Steinumrandung über weite Flächen an der Trasse in Handarbeit angelegt. In ihnen bricht sich der immer über die Landschaft fegende Wind, formt kleine Wirbel und soll so den Untergrund kühlen. Man muss sich immer vor Augen halten, dass die Trasse ja im sogenannten Permafrostboden gebaut wurde und ihre Stabilität auf dem kalten Grund beruht.

Foto

Wir schaffen es kaum unsere Fotokameras aus der Hand zu legen. Zunächst ist es die Wüstenlandschaft südlich von Golmud, die uns in den Bann zieht. Dann erspähen wir Nomaden, die mit ihren Yak Herden über das Grasland auf dem Hochplateau von Qinghai ziehen. Weit entfernt sind die zum Teil schneebedeckten Bergkuppen zu sehen und wir überqueren den Oberlauf des Yangtze. Ein besonderes Schauspiel ist das Spiel der Wolken, dass sich uns vor dem unwirklich blauen Himmel darbietet. Es ist Oktober, eine gute Zeit für eine Reise über das Dach der Welt. Der ewige Schnee auf den Himalaya-Gipfeln kontrastiert wiederum beeindruckend mit dem Tiefdunklen Blau des Himmels.

Foto

Wir haben mittlerweile die höchste Bahnstation der Welt erreicht, 5068 Meter über dem Meeresspiegel. Sie wird militärisch genutzt. Diese Höhe ist mit Vorsicht anzugehen, selbst der Autor musste Sauerstoff zur Hilfe nehmen.

Foto

Zwar werden die Eisenbahnwagen während der Fahrt mit Sauerstoff versorgt, doch einen Druckausgleich wie in einer Flugzeugkabine gibt es nicht. Wer sich überschätzt, büßt für seinen Übermut mit Atemnot und Schwindel. Die Qinghai-Tibet-Eisenbahn ist nicht mit dem Orient-Express zu vergleichen. Sie ist kein Luxuszug. Gezogen werden die Wagen von zwei, drei Diesellokomotiven. Der Komfort entspricht in der ersten Klasse ungefähr dem der zweiten Klasse in Deutschland. Für den recht einfachen Komfort wird der Fahrgast aber entschädigt - mit einem einzigartigen, atemberaubenden Ausblick auf die gewaltige Natur ringsherum. Auf einsamen Höhen wurden von Pilgern Gebetsfahnen gespannt. Sie sind in den fünf Farben der Erde ausgeführt und mit Gebeten, Mantras und Wünschen beschriftet. Viele von ihnen sind vom ewigen Wind schon sehr zerschlissen. Genau dieser alles bestimmende Wind nimmt die Gebete und Bitten auf und trägt sie in den hier oben nicht so entfernt scheinenden Himmel.

Foto

Ein sehr wenig beachteter aber wichtiger Aspekt dieser Eisenbahnstrecke ist, dass sehr viele Chinesen nach Tibet kommen und sich dort niederlassen und arbeiten. Dadurch sinkt die Zahl der Tibeter im Vergleich zu den einwanderten Chinesen. Die Tibeter werden, wie ich eingangs schon erwähnte, eine Minderheit im eigenen Land. Ein durchaus gewollter Vorgang, gefördert durch die Chinesischen Regierung ! Seine Heiligkeit der Dalai Lama äußerte in einem Gespräch im Frühjahr dieses Jahres: "Eine Ethnie, ein Volk stirbt aus, wird seiner Kultur beraubt und die Welt nimmt es kaum war ! Aber Er freue sich, über jeden Besucher Tibets, der Interesse an den Tibetern, Ihrem Land und Ihrer Kultur hat und diese Botschaft in die Welt trägt". Gegen elf Uhr abends fuhren wir in den pompösen, viel zu großzügigen und überdimensionierten Bahnhof von Lhasa ein. Diesen Bahnhof haben die Chinesen augenscheinlich dem Potala nachgebildet, dem angestammten Sitz des religiösen Oberhauptes des tibetischen Volkes. Auch damit haben die Chinesen Ihren Herrschaftsanspruch in Tibet auf eine höchst befremdliche und derbe Weise ein gebautes Gesicht gegeben. Der Berliner Hauptbahnhof würde sich daneben sehr klein ausmachen. Dieses gebaute Machtsymbol ist aber im Gegensatz zu seinem Berliner Kollegen aber einzig für die Züge zwischen Golmud und Lhasa bestimmt. Trotz der protzenden Wucht lag der Bahnhof fast in Dunkelheit. Durch die unbeleuchteten Hallen stolpernd erreichten wir dann unseren Bus zum Hotel. Nach dem Einschecken ging ich nochmals auf die Straße und war sehr erschrocken, dass bei den ganz wenigen Menschen die noch unterwegs waren, trotzdem noch ein solch großes Polizeiaufgebot zugegen war. Am frühen Morgen machte ich mich zu Fuß auf den Weg zum Potala.

Foto

Dieser wirkte noch imposanter, als ich ihn von Fotos und Bildern in Erinnerung hatte. Genau gegenüber dem Potala haben die Chinesen ein monumentales "Freiheitsdenkmal" erbaut, das an die "Befreiung" der Tibeter durch die Chinesen 1950 erinnern soll. Im Oktober 1950 marschieren 40.000 Soldaten der Volksbefreiungsarmee in Osttibet ein und töten 5000 Tibetische Soldaten, woraufhin sich die Tibetische Armee ergibt. Angesichts der chinesischen Bedrohung übernimmt der 15-jährige Dalai Lama vorzeitig die Regierungsgeschäfte. Alle Verhandlungen, auch zwischen dem Dalai Lama und Mao Zedong, bringen kein Ergebnis. Im Frühling 1959 kommt es in Lhasa zu einem Volksaufstand. Nach chinesischen Quellen tötet die Volksbefreiungsarmee 86.000 Tibeter. Der 14. Dalai Lama flieht nach Indien, wo er in Dharmshala (Himachal Pradesh) eine Exilregierung bildet. Dem Dalai Lama folgen bis zum heutigen Tag hunderttausende Tibeter ins Exil. Seitdem weht auch die Chinesische Staatsflagge über dem Potala. Ein Emblem der Chinesischen Macht um jedem Tibeter zu zeigen wer "Herr im Land" ist. Trotz allem ist an jedem Tag ein Strom von Pilgern, im Uhrzeigersinn rund um den Potala zum Beten unterwegs. Vor dem Palast werfen Sie sich auf die Straße um zu Beten, wieder aufzustehen und sich wieder zum Beten niederzuwerfen. So geht es mehrfach rund um den Potala. Dabei drehen sie unablässig ihre Gebetsmühlen, in denen Mantras und Wünsche bewahrt sind. Durch das Drehen werden die Wünsche und Bitten gen Himmel gesandt.

Foto

Es ist schon eigenartig, wenn ein Chinesischer Führer einen durch dieses beeindruckende, bedeutende und geschichtsträchtige Gebäude führt, das viele geistige Führer Tibets über Jahrhunderte bewohnten, so auch der junge Dalai Lama, und es schafft, in zwei Stunden nicht einmal den Dalai Lama zu erwähnen ! Fast jeder Raum ist Videoüberwacht und überall stehen "Aufpasser", die sofort einschreiten sollen, wenn es zu Bekundungen für den Dalai Lama kommt. Doch plötzlich geschieht dann doch genau das, was sie verhindern sollen. Im Thronsaal des jetzigen Dalai Lamas legen mit einem mal einige junge Tibeterinnen Blumen vor dem Thron des Dalai Lama nieder und beten. Nur durch die Anwesenheit von Ausländern und wohl auch weil die " Aufpasser " überrascht wurden, kommt es zu keinem Eklat. Unsere Besuchergruppe wurde daraufhin aber schnellstens und sehr gut behütet zum Ausgang gebracht, angeblich um uns "besonders zu schützen".

Foto

Außerhalb Lhasas sind mir Pilger auf der Straße begegnet, die tagelang nach Lhasa unterwegs waren. Diese Strecke wird mit einem höchst eindrucksvollen Ritual zurückgelegt. Der Pilger wirft sich zu Boden, betet, robbt ein Stück am Boden, erhebt sich und wirft sich wieder zu Boden... Sie tragen dabei eine große Lederschürze um sich beim Niederwerfen und Robben nicht zu verletzen. Die Autofahrer umfahren diese Pilger meistens respektvoll. In einem langen Abstand folgen dann die Angehörigen, die auf einem Handwagen alles nötige für diese Pilgerfahrt transportieren.

Foto

Pilgern begegnen wir auch vor dem Jokhang in der Altstadt von Lhasa, dem ältesten Buddhistischen Haupttempel Tibets, der von der Barkhor-Straße ringförmig umschlossen wird. Hier bilden sich jeden Tag, beginnend in den frühen Morgenstunden, mehrreihige Menschenschlangen um zu opfern. Geopfert werden Yakbutter für die Butterlampen und Räucher- und Geldopfer mit denen der Statue des Jobo Verehrung bezeugt wird. Auch hier wird im Uhrzeigersinn der Jokhang mehrfach umrundet.

Foto

Der Jokhang und die ihn umgebenden alten tibetanischen Häuser sind das letzte, was an die alte tibetanische Kultur erinnert. Alle anderen Häuser in Lhasa wurden von den Chinesischen Machthabern niedergerissen. Für die sich stetig vergrößernde Anzahl chinesischer Einwohner werden neue Häuser gebaut, in der auch uns bekannten sozialistischen Plattenbauweise.

Foto

Wie zum Trotz liegt über der Stadt ein feiner Nebel aus Räucheropfern. Wer die Inbrunst der Menschen beobachtet weiß, wie wichtig Ihnen die Religion und der Dalai Lama sind!

Foto

Aber allein schon der Besitz eines Fotos des Dalai Lama ist bei hoher Strafe strengstens verboten. In einem Kloster das ich besichtigte lud mich eine alte Nonne, die dort als Eremitin lebt und meditiert, in Ihre Erdhöhle ein. Wir verständigten uns allein mit Blicken und Gesten. Plötzlich griff sie hinter einem Vorhang und holte ein abgegriffenes Foto des jungen Dalai Lama an das Tageslicht um es gleich darauf wieder zu verstecken. Dieses Geschehen begleitete sie stumm mit der Geste, die sich mir als das zuschnappen von Handschellen darstellte.

Foto

Die Chinesen bestreiten den größten Teil des Handels in Tibet und allzu oft hat man das Gefühl, sie werden allzu gerne als machtvolle Besatzer gesehen. Ich sah, wie sich chinesische Mädchen im Teenageralter in Klöstern benahmen. Wie sie sich in Tempeln vor verehrten Buddhas und Altären posierend wie Pin up Girls fotografieren ließen, trotzdem die Tibeter davor beteten. Aber die Tibetaner sahen auch hier, mit der Geste der Liebenswürdigkeit, darüber hinweg und reagierten nicht erkennbar auf diese Provokation.

Foto

Auch in die Klöster werden falsche Mönche von den Chinesen eingeschleust um zu provozieren. Alle Mönche müssen ein Pamphlet unterschreiben in dem sie dem Dalai Lama abschwören.

Foto

Im Kloster Ganden wurde in jüngster Vergangenheit ein Mönch morgens in seiner Zelle aufgefunden. Der junge Mann hatte sich an dem Abend zuvor geweigert dem Dalai Lama abzuschwören. Er wurde in der Nacht brutal erschlagen. Trotz aller Programme die die Chinesische Regierung auflegt und derer sie sich gerne rühmt, werden die Tibeter immer mehr zu Fremden in ihrem eigenen Land. An den Schulen wird nach Chinesischen Lehrplänen unterrichtet. In diesen steht aber nichts über die Tibetische Kultur. Diese gibt es so gut wie überhaupt nicht mehr.

Foto

Die allergrößte Angst der Chinesen ist, dass die Tibeter sich wieder gegen ihre Besatzer wehren könnten. Es war für mich schon ein schlimmes Gefühl, an dem Gefängnis in Lhasa vorbei zu gehen, in dem drei Schriftstellerkollegen inhaftiert sind, an die ich jeden Monat Briefe schreibe. Warum sie dort unter erschwerten Bedingungen festgehalten werden ? Sie hatten von ihrem in der Chinesischen Verfassung verbrieften Recht über die Freiheit des Wortes Gebrauch gemacht, das ja auch in der UN Charta garantiert wird, die auch die Volksrepublik China unterschrieben hat. Sie wurden daraufhin von den Chinesen zu langen Gefängnisstrafen verurteilt.

Foto

Es zog mich immer wieder hin zum Jokhang und der Barkhor-Straße die nicht weit vom Hotel lagen, um die Pilger zu beobachten. Ich wollte irgendwie an dem Geschehen teilnehmen. ich konnte dabei auch so etwas wie Angst bei den Besatzern zu spüren. Einige junge Tibeterinnen hatten während ihrer Gebete auch einen spirituellen Gesang angestimmt und in Minutenschnelle waren Sie von Geheimpolizei in Zivil umringt. Als wir anwesende Ausländer uns wortstark äußerten, war sofort auch uniformierte Polizei vor Ort und es kam zu einer Rangelei zwischen den Ausländern den Pilgern und der Polizei. Es machte der Polizei augenscheinlich nichts aus, dass auch wir Ausländer von Ihrer Gewalt betroffen waren. Viele der Polizisten sind Blutjunge Chinesen. Ich bin mir nicht sicher ob ihnen überhaupt klar ist, was sie in Tibet für einen Auftrag haben. Indem sie z.B. immer wieder provokativ mit ihrer Stahlrute auf jeden Gegenstand schlugen, vermittelten sie mir den Eindruck des berühmten "Pfeifens im dunklen Wald".

Foto

Es ist schon ein kärgliches Leben in dieser Höhe, aber die Menschen finden viel und großen Trost in Ihrer Religion und dem Dalai Lama. Ich hatte den Eindruck eines stillen Widerstandes gegen die Besatzungsmacht, denn mittlerweile scheint es nötig zu sein, daß sich in jedem Ort und Kloster eine Chinesische Polizeistation oder Posten befinden, um alles mit sehr kritischem Auge überwachen zu können.

Foto

Das Kloster Ganden befindet sich außerhalb Lhasas in über 4000 m Höhe. Es ist über eine Straße mit unendlich vielen Kehren zu erreichen. Dieses Kloster wurde während der Großen Proletarische Kulturrevolution fast vollständig zerstört und später durch eine Schenkung eines reichen Tibeters, der in den USA lebte, zum Teil wieder aufgebaut. Diesem Kloster haftet ein Geist der Spiritualität an, wie er heute in Tibet kaum noch zu finden ist. In politisch brisanten Zeiten wird das Kloster Ganden erfahrungsgemäß sehr restriktiv behandelt und von den Chinesischen Machthabern oft geschlossen. Wir besichtigten das Kloster und machten uns dann auf den Pilgerweg. Diesen bewältigen die Tibetischen Pilger in ca. 3 Stunden.

Foto

Der Pilgerweg führt in über 4000 m Höhe auf kleinen ausgetretenen Pfaden direkt am Abhang rund um den Berg. Diese Höhe war für uns sehr beschwerlich und wir bewunderten umso mehr die Tibetischen Pilger die, leichtfüßig und nicht so schwer atmend wie wir, uns überholten. Sie teilten ihr Wasser mit uns und waren stets gewohnt liebenswürdig. Den Weg zierten unendliche viele Gebetsfahnen, kleine aus Stein gebaute Altäre und Häuschen in den geopfert wurde. Ja, es war sehr anstrengend, aber die Menschen und die Natur um uns herum ließ alles ungleich lohnender erscheinen. Ein Blick über die Berge, mit den Schneebedeckten Fünftausendern, ein Blick ins Tal, wo der noch junge Lhasafluß seinen Weg sucht, um später zum Bramaputhra zu werden und über uns die Adler, die unermüdlich ihre Kreise ziehen. Es war eine bewegende Pilgertour, die uns sehr vieles von der Gläubigkeit der Tibeter nahe brachte und verstehen ließ.

Foto

Noch einmal einen frühen Morgengang zur Barkhor-Straße und zum Jokhang Tempel, bevor das Flugzeug mich nach Shangri-La bringt. Jenen sagenumwobenen Ort, den der Schriftsteller James Hilton mit seinem 1933 erschienenen Roman "Lost Horizont" in die westliche Kulturgeschichte einführte. Heute ist alles ganz anders. Die Polizeipräsenz ist sehr groß, auffallend groß und die Pilger lächeln mehr als sonst (ich bilde es mir nicht ein) und sie opfern Blumen , was ich bisher nicht erlebt habe. Irgendwie geht eine Heiterkeit, eine Fröhlichkeit von allen Pilgern aus, die ich mir nicht erklären konnte.

Foto

Später erfahre ich, dass zu diesem Zeitpunkt seine Heiligkeit der Dalai Lama vom US-Präsidenten Bush empfangen wurde. Mögen noch viele Politiker, auch wie Bundeskanzlerin Merkel, Rückrat beweisen und dem Dalai Lama Ihre Unterstützung geben, für ein Tibet in Freiheit! Die Vergabe der Olympischen Spiele 2008 an China halte nicht nur ich für einen sehr, sehr großen Fehler. Diese Spiele werden aber auch eine sehr große mediale Präsenz bekommen und die Chancen sind groß, dass dabei auf die Verfehlungen Chinas in Bezug auf Menschenrechte und die Besatzung Tibets kritisch eingegangen wird und daraus resultierend die richtigen Fragen an Chinas Machthaber gestellt werden.

November 2007

Foto

Zurück zur Tibetseite